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Hermes oder OpenClaw, der Gewinner hängt Davon ab wem Sie vertrauen

Zwei Open Source Werkzeuge versprechen einen KI-Mitarbeiter, der Aufgaben per Chat erledigt. Wir haben die Hersteller beider Projekte genauer angesehen und erklären, was dahintersteckt, wo die Unterschiede liegen und was…

Sebastian Sieber5 Minuten Lesezeit
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Zwei Open Source Werkzeuge versprechen einen KI-Mitarbeiter, der Aufgaben per Chat erledigt. Wir haben die Hersteller beider Projekte genauer angesehen und erklären, was dahintersteckt, wo die Unterschiede liegen und was das für ein KMU bedeutet. 

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben abends kurz per WhatsApp: “Fasse mir die heutigen Kundenmails zusammen und buche mir einen Tisch in meinem Lieblingsrestaurant für morgen 18:00 Uhr” Und ein Assistent erledigt das, auf Ihrem eigenen Server, ohne dass Ihre Daten bei einem fremden Anbieter landen.

Genau das versprechen sogenannte KI-Agenten. Zwei davon werden derzeit besonders oft genannt: Hermes Agent und OpenClaw. Beide sind kostenlos, beide sind quelloffen, beide können auf einem Server in der Schweiz oder lokal betrieben werden. Und beide werden gerne in einem Atemzug genannt, obwohl sie unterschiedliche Probleme lösen. 

Was ein KI-Agent überhaupt ist 

Ein Chatbot beantwortet Fragen. Ein Agent handelt. Er kann Dateien öffnen, im Internet recherchieren, Programme starten, E-Mails lesen und Termine eintragen. Sie sprechen mit ihm über WhatsApp Telegram, Teams, Mail oder Slack und er arbeitet im Hintergrund auf einem Server, den Sie kontrollieren.

Der entscheidende und oft übersehene Punkt ist Jedoch der: der Agent hat Zugriff direkt nach der Installation auf Ihr System. Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen, was er kann. Man muss auch fragen, was er darf, wer ihn steuert, wer ihn betreut und was passiert, wenn etwas schief läuft.

Hermes Agent: 

Der Mitarbeiter, der jeden Tag dazulernt. Er wird von Nous Research entwickelt, ein junges KI-Labor aus New York, gegründet 2023 von einer Gruppe Forschern, die sich über Entwickler Foren kennengelernt haben. Anfangs haben sie eigene Open Source Sprachmodelle veröffentlicht, seit 2025 sind sie mit 50 Millionen Dollar Risikokapital finanziert. Das Besondere an Hermes ist sein Gedächtnis. Er merkt sich Fakten über Sie und Ihre Projekte und schreibt sich selbst Anleitungen, wie er eine Aufgabe beim letzten Mal gelöst hat. Damit wird er bei jedem mal schneller und besser.  

Bildlich gesprochen, Sie stellen jemanden ein, der in der ersten Woche viele Fragen stellt, nach einem Monat aber weiss, wie Sie Ihre Offerten aufbauen und welche Kunden Sie wie ansprechen. 

Weitere Merkmale: 

Einfache Installation. Ein Installationsprogramm für Windows und Mac, ein einziger Befehl für Linux. Keine Datensammlung. Hermes schickt nichts an Nous Research. Gespräche und Gedächtnis bleiben auf Ihrem Server. Die einzige Verbindung nach aussen geht zum KI-Modell, das Sie selbst wählen. Wer will, betreibt auch das Modell lokal. Sicherheit in acht Schichten. Gefährliche Befehle müssen zuerst freigegeben werden, bestimmte Dateien (etwa Passwortspeicher) sind geschützt und wer den Agenten anschreiben darf, ist standardmässig auf niemanden eingestellt, bis Sie es ändern.

OpenClaw Agent: 

Hier ist der Ansatz ein anderer. Hermes ist ein einzelner Assistent. OpenClaw ist eher der Empfang, an dem alle Anfragen zuerst ankommen. Sie schreiben beispielsweise per WhatsApp oder Teams, OpenClaw nimmt die Nachricht entgegen, prüft wer Sie sind und was Sie dürfen. Erst dann gibt er die Aufgabe einen KI-Agenten weiter. Ob das nun ein Agent von OpenClaw ist oder ein fremder, wie Codex von OpenAI oder Claude Code von Anthropic sei dahingestellt. 

Getragen wird das Projekt von der OpenClaw Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die mit über dreissig Organisationen zusammenarbeitet, darunter Microsoft, GitHub, NVIDIA und OpenAI. Das ist keine Garantie für Qualität, aber ein Hinweis darauf, dass das Projekt nicht von heute auf morgen verschwindet. 

OpenClaw ist für Teams gebaut, erkennbar an 4 Punkten: 

Erstens: abgestufte Rechte. Nicht jeder, der den Agenten anschreibt, darf gleich viel. Der Lehrling darf zum Beispiel lesen, der Teamleiter ändern und der Admin alles. Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, wird auch hier abgelehnt. 

Zweitens: Passwörter, Diese sieht der Agent nie. Es wird ein Zugang Hinterlegt, der Agent kann ihn benutzen, aber nicht auslesen. Selbst wenn jemand den Agenten austrickst, kommt er also nicht an das Passwort. 

Drittens: kontrollierte Updates. Es gibt einen langsamen Kanal für Betriebe, die keine Überraschungen wollen und einen schnellen für all jene, die immer die neuersten Features möchten. 

Viertens: eine öffentliche Fehlerliste. OpenClaw dokumentiert jede gemeldete Sicherheitslücke offen. Ende August 2026 waren es über 600 Einträge. Klingt erschreckend, oder? Heisst aber vor allem eins, das Projekt wird intensiv geprüft, auch von Universitäten. Fehler werden zeitnah behoben. 

Der Punkt, den beide Anbieter offen zugeben: 

Beide Werkzeuge laufen ab Werk ohne Abschottung. Das heisst: Der Agent hat auf Ihrem Rechner / Server dieselben Rechte wie Sie selbst. Wenn jemand dem Agenten über eine präparierte E-Mail oder über eine Webseite einen versteckten Befehl unterschiebt, kann er damit unter Umständen auf alles zugreifen, worauf Sie Zugriff haben.

OpenClaw schreibt dazu:  

Die Schutzmechanismen sind standardmässig ausgeschaltet und müssen bewusst eingerichtet werden.

Hermes formuliert es ähnlich: 

Gegen einen Agenten, der wirklich manipuliert wurde, hilft am Ende nur die Trennung auf Betriebssystem Ebene, also ein abgeschotteter Container.

Beide bieten diese Abschottung an. Beide empfehlen sie für den ernsthaften Betrieb. Aber bei beiden müssen Sie sie selbst aktivieren. Das ist der Moment, in dem ein KI-Projekt in vielen KMU stehen bleibt. Das Werkzeug funktioniert, aber niemand traut sich, es mit echten Daten laufen zu lassen.

Welcher ist nun aber der richtige ? 

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wer den Agenten nutzt. 

Hermes passt perfekt, für eine Person (oder eine sehr kleine, sich vertrauende Gruppe) die einen persönlichen Assistenten will, der mit der Zeit besser wird. Die Einrichtung ist einfacher, das Gedächtnis ist das stärkste am Markt und die Daten bleiben bei Ihnen. 

OpenClaw passt besser, wenn mehrere Mitarbeitende mit unterschiedlichen Rechten auf denselben Agenten zugreifen sollen, wenn Sie nachweisen müssen, wer was ausgelöst hat und wenn Ihnen wichtig ist, dass eine Stiftung statt eines einzelnen Unternehmens hinter dem Projekt steht. 

Ein Detail aus der Praxis, das Hermes selbst in seinen FAQ erwähnt: 

Nutzer, die von OpenClaw kommen, vermissen die Möglichkeit, verschiedene Agenten an verschiedene WhatsApp Gruppen zu binden. Bei Hermes braucht jeder Agent eine eigene Telefonnummer. Solche Kleinigkeiten entscheiden im Alltag oft mehr als die grosse Architektur.

Was wir daraus mitnehmen 

Beide Projekte zeigen, wohin die Reise geht: KI, die nicht nur antwortet, sondern arbeitet. Und beide zeigen dieselbe Lücke. Die Technik ist da, was fehlt, ist der Betrieb, sowie die Frage, wer den Agenten einrichtet, wer die Abschottung aktiviert, wer die Rechte vergibt und wer nach dem Update prüft, ob noch alles läuft.

Genau dort scheitern KI-Projekte in kleinen und mittleren Unternehmen am häufigsten. Nicht an der Software, sondern am Vertrauen und am Betrieb danach. 

Wenn Sie überlegen, einen KI in Ihrem Unternehmen einzusetzen, sprechen Sie gerne mit uns. Wir nehmen uns die Zeit mit Ihnen die richtige Lösung für Ihr Unternehmen zu finden und richten es so ein, dass Sie ruhig schlafen können. 

Stand: September 2026. Grundlage dieses Artikels sind die offiziellen Dokumentationen von Hermes Agent (Nous Research) und OpenClaw (OpenClaw Foundation) sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen auf arXiv. Beide Projekte entwickeln sich schnell. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor einer Entscheidung 

Porträt von Sebastian Sieber

Sebastian Sieber

Co-Founder von Solvea, verantwortlich für Technologie und Umsetzung. Seit über sechs Jahren arbeite ich in der operativen IT, heute als System Escalation Engineer bei care4IT in Zürich. Was ich empfehle, hatte ich vorher auch selbst schon im Einsatz.

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