Den ersten KI-Anwendungsfall richtig wählen
Die meisten Unternehmen haben nicht zu wenige Ideen, sondern zu viele. Die eigentliche Beratungsleistung besteht darin, aus zwanzig Möglichkeiten die eine herauszusuchen, die trägt.
In einer Prozessanalyse kommen bei einem mittelständischen Unternehmen typischerweise fünfzehn bis fünfundzwanzig Ideen zusammen. Der Reflex ist, mit der spektakulärsten anzufangen. Der bessere Weg ist, sie durch vier Filter zu schicken.
Filter 1: Wiederholung
Wie oft passiert die Aufgabe? Etwas, das täglich zwanzig Mal anfällt, spart auch bei zwei Minuten Zeitgewinn spürbar. Etwas, das viermal im Jahr vorkommt, lohnt keine Automatisierung, egal wie mühsam es ist. Multiplizieren Sie Häufigkeit mal Dauer, bevor Sie sich über den Ärgerwert unterhalten.
Filter 2: Prüfbarkeit
Kann jemand innerhalb von Sekunden erkennen, ob das Ergebnis stimmt? Bei einem Angebotsentwurf: ja. Bei einer strategischen Marktanalyse: nein. Aufgaben, deren Ergebnis nicht schnell prüfbar ist, erzeugen unbemerkte Fehler, und unbemerkte Fehler kosten mehr, als die Automatisierung einbringt.
Filter 3: Schadenpotenzial
Was passiert im schlechtesten Fall? Ein falsch sortierter interner Beleg ist ärgerlich. Eine falsche Zusage an einen Kunden ist teuer. Für den Einstieg wählen wir bewusst Prozesse, bei denen der Fehlerfall korrigierbar bleibt, ohne dass er nach aussen sichtbar wird.
Filter 4: Datenlage
Liegen die nötigen Informationen strukturiert und zugänglich vor, oder stecken sie in Köpfen und in einem gewachsenen Ablagesystem? Wenn die Antwort zweiteres ist, ist der eigentliche erste Schritt nicht KI, sondern Ordnung. Das sagen wir auch dann, wenn es das Projekt verschiebt.
Wenn die Daten nicht auffindbar sind, ist das erste Projekt kein KI-Projekt. Wir sagen das lieber vorher als in Woche acht.
Was am Ende übrig bleibt
Nach diesen vier Filtern bleiben aus zwanzig Ideen meist zwei oder drei. Diese bewerten wir mit Aufwand und Nutzen in Franken, nicht in Punkten. Dann entscheiden Sie. Unsere Erfahrung: Der Gewinner ist fast nie die Idee, mit der das Gespräch begonnen hat, und fast immer die, mit der die Mitarbeitenden am schnellsten Frieden schliessen.
- Angebote und Standardschreiben aus wiederkehrenden Bausteinen erstellen
- Eingehende Dokumente klassifizieren und den richtigen Personen zustellen
- Interne Wissenssuche über Handbücher, Verträge und Protokolle
- Gesprächsnotizen in strukturierte Aufgaben und Termine überführen


